


Die Faserproblematik
Alles begann mit dem Asbest.
Nach dem massiven Einsatz dieses Faserstoffes in allen Bereichen des täglichen Lebens bewahrheiteten sich schon in den 40er Jahren die lang gehegten Befürchtungen, daß diese natürliche Mineralfaser krebserregend ist. Ursachen dafür sind die Lungengängigkeit der Fasern und ihre Biobeständigkeit, d. h. je länger die Fasern im Gewebe verbleiben, desto größer ist die Krebsgefahr. Außerdem besitzt der am meisten verwendete Weißasbest die Eigenschaft, daß sich seine Fasern mit der Zeit in Längsrichtung aufspalten und somit aus einer Faser 10, 20, 30, ja bis zu 100 Fasern werden können. Obwohl man dies alles schon so lange wußte, wurde der Einsatz von Asbest erst Anfang der 90er Jahre in allen westeuropäischen Staaten rigoros eingeschränkt oder gänzlich verboten. Im Zuge der öffentlich sehr intesiv geführten Asbestdiskussion kamen dann natürlich auch die Glas- und Steinwollefasern ins Gerede, besitzen diese ja ebenfalls einen Anteil an lungengängigen Mineralfasern. Ein heftiger Expertenstreit war die Folge. Von völliger Unbedenklichkeit bis hin zu ähnlich krebserregend wie Asbest lauteten die Aussagen. Um endlich Klarheit zu schaffen, forderten vor allem deutsche Arbeitsmediziner, allen voran Prof. Pott und Prof. Woitowitz, ein anderes Mischungsverhältnis bei den Ausgangsstoffen der Glas- und Steinwolleerzeugung. Damit würde die Biobeständigkeit der Fasern herabgesetzt, die Fasern würden sich, noch bevor sie eine Krankheit auslösen können, im Lungengewebe auflösen und somit könnten sie als nicht krebserregend eingestuft werden. Dieser Forderung gaben nun die Herstellerfirmen nach langem zähen Ringen nach und stellten im Laufe dieses Jahres ihre Produktion um. Diese neuen Produkte werden dann spätestens ab 1996 deutlich gekennzeichnet im Handel erhältlich sein. Trotzdem müssen weiterhin beim Ein- und Ausbau von Glas- und Steinwolleprodukten Staubmasken getragen werden, denn einen "gesunden Staub" gibt es nicht.
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