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Gleichzeitig mit dem Sonderkommando Merseburg, das den riesigen Junkers - Lastensegler Ju 322 "Mammut" einzufliegen hatte, begann in Süddeutschland das Sonderkommando Leipheim mit der Erprobung eines ähnlich großen Lastenseglers aus den Messerschmittwerken mit der Bezeichnung Me 321 "Gigant". Beide Lastensegler liefen unter der größten Dringlichkeit, da sie für eine Invasion Englands gefordert wurden. mit der Entwicklung der Me 321 begannen der leitende Konstrukteur Fröhlich und zwanzig weitere Konstrukteure am 6. November 1940. Im März 1941 erfolgte bereits der erste Start. Er wurde durch den Junkers Ju 90 mit amerikanischen Motoren als Schleppmaschine ermöglicht, die bereits bei der Ju 322 eingesetzt worden war. Die Me 321 unterschied sich in der Bauweise wesentlich von der Junkers - Konstruktion, denn ihr Aufbau bestand durchweg aus verschweißten Stahlrohren mit Stoffbespannung. Im Prinzip stimmt der Aufbau mit der nachfolgend beschriebenen Me 323 überein, weshalb hier auf eine nähere Erläuterung verzichtet werden soll. In den Abmessungen war die Me 321 kleiner als die Ju 322, sie konnte aber normal eine Nutzlast von 22 t tragen. Das entsprach einer kampfstarken Kompanie Soldaten, einem Panzer V oder einer 8,8-cm-Flak einschließlich Zugmaschine und Bedienungspersonal. Bei Überlast konnte die Zuladung sogar bis auf 27 t gesteigert werden. Diese Werte überzeugten bei einem Leergewicht von nur 12 t. Fliegerisch war das riesige Flugzeug nicht zu bemängeln, allerdings waren trotz der Servo - Steuerung die Steuerkräfte viel zu hoch. Die Besatzung bestand bei der Messerschmitt Me 321 A nur aus dem Piloten. Durch die zusätzliche Bewaffnung bei der Messerschmitt Me 321 B steigerte sie sich später auf drei Mann. Der Führerraum war als Panzerkabine ausgebildet. Im Heck befand sich ein Bremsfallschirm. Die Bewaffnung der Me 321 B bestand aus vier Türmen mit je einem MG 15. Als Landefahrwerk waren vier Einzelkufen vorgesehen. Der Start erfolgte auf vier abwerfbaren Rädern, bestehend aus zwei Haupträdern unter den beiden hinteren Kufen und zwei Bugrädern, die von der Me 109 übernommen wurden. Auch zum Schleppen der Me 321 erwiesen sich die Ju 90 mit deutschen Triebwerken als zu schwach. Man führte deshalb den sogenannten Troika - Schlepp ein, eine Schleppmethode, bei der drei Me 110 C gleichzeitig eine Me 321 starteten.Diese Schleppart war jedoch für alle Beteiligten äußerst gefährlich. Um ein Ausbrechen des "Giganten" beim Start zu verhindern, wurden die beiden Bugräder verriegelt, die beim Rollen auf dem Flugfeld von zwei Mann mit langen Stangen gelenkt werden mußten. Die Schleppseillänge betrug bei der Troika - Methode etwa 120 m. Für den Startvorgang wurden fast 1200 m Rollbahn gebraucht. Dabei durfte die Schleppgeschwindigkeit mit Rücksicht auf die benötigte gute Steuerbarkeit der drei Me 110 nicht unter 160 km/h absinken. Um die Startstrecke abzukürzen und die schleppenden Maschinen im kritischen Startzustand zu entlasten, ging man schließlich dazu über, unter den Außenflügeln der Me 321 bis zu acht Startraketen von je 500 kp aufzuhängen, die nacheinander gezündet und nach dem Abbrennen abgeworfen wurden. Bessere Ergebnisse erbrachte der Schlepp durch eine Ju 290 A-1, jedoch waren von diesem Muster nicht genügend Maschinen greifbar. Als Ideallösung bewährte sich die aus zwei He 111 zusammengebaute He 111 Z. Von der Me 321 wurden insgesamt 200 Stück im Leibheim und Obertraubling bei Regensburg fertiggestellt und nach Frankreich überführet. Als es feststand, daß keine Invasion Englands erfolgen würde, gingen im Juli 1941 drei Staffeln an die verschiedenen Abschnitte der Ostfront und bewährten sich dort.
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Quelle: Heinz J. Nowarra, "Die deutsche Luftrüstung 1933-1945"
Bernard & Graefe Verlag, ISBN 3-7637-5464-4